< Zurück

Die Erfüllung gefunden

Eine philippinische Finanzspezialistin, Mitte 20, unglücklich in ihrem Job in Dubai, kommt der Liebe wegen nach St.Gallen und findet als Miterzieherin in der Kita der GHG Tempelacker ihre Erfüllung. Im Frühjahr 2025 ist Kaycee Huber bereits seit neun Jahren im «Tempi».

Ihre Arbeit erfüllt Kaycee: «Die Beziehungen zu den Kindern, ihr Vertrauen und ihre Entwicklung zu spüren, ist ein schönes Gefühl.» 

Wenn Kaycee von ihrer Arbeit als Miterzieherin in der Kita des «Tempi» erzählt, strahlt sie. Die Leidenschaft der 36-jährigen Fachfrau Betreuung EFZ (Fachrichtung Kinder) für ihren Beruf ist förmlich mit Händen zu greifen. Mit ihrem 60%-Pensum ist sie zwar nur an drei Tagen pro Woche in der Kita – doch der «Tempi» sei ihr zweites Zuhause, sagt die Mutter eines knapp 3-jährigen Sohnes, der auch hier betreut wird. Wir wollten genauer wissen, wie es dazu kam.

Kaycee, du arbeitest seit 2016 als Miterzieherin in der Kita der GHG Tempelacker. Was hat dich seinerzeit dazu bewogen, dich im «Tempi» zu bewerben?
Bevor ich in die Schweiz kam, arbeitete ich in Dubai als Finanzspezialistin. Ich verdiente zwar gut, aber der Job machte keinen Spass. Ich wollte hier etwas Neues finden. Schon in meiner Kindheit und Jugend auf den Philippinen habe ich meine kleineren Geschwister betreut. Als mich meine Schwiegermutter auf ein Inserat aufmerksam machte, habe ich mich zum Schnuppern beworben. Ich war in verschiedenen Jobs schnuppern, doch nur die drei Tage im «Tempi» haben wirklich gepasst. Nachdem ich dann ein Praktikum machen konnte, habe ich die Gelegenheit erhalten, die dreijährige Lehre zu absolvieren.

Wenn du heute zurückblickst, wie haben sich deine Erwartungen erfüllt?    
Ich gehe immer gerne arbeiten, einerseits wegen der Kinder, anderseits wegen des Teams. Unser Umgang ist ganz anders als früher im Finanzbereich, herzlicher. Als ich mich beworben habe, hätte ich nicht gedacht, dass ich eine Chance habe – ich konnte damals noch nicht sehr gut Deutsch. Offenbar war aber mein Draht zu den Kindern spürbar. Auf die Frage, ob man mit Kindern arbeiten kann und will, gibt es nur Ja oder Nein – mit einem Jein funktioniert’s nicht. Bei mir ist’s ein klares Ja.

Was macht deine Arbeit aus, was ist dir besonders wichtig?
Jeder Tag bringt andere Herausforderungen, das ist hoch spannend. Die Reflexion am Ende jedes Tages, wie es gelaufen ist, und der fachliche Austausch im Team sind mir wichtig. Besonders schön finde ich, auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder und ihre Entwicklung eingehen zu können, als Begleiterin Teil dieses Prozesses zu sein.

Welches sind die grössten Herausforderungen in deiner Arbeit?
In der Arbeit mit den Kindern ist der Umgang mit der eigenen Persönlichkeit anspruchsvoll: professionelle Fachperson zu sein und zugleich mich selbst als Mensch wahrzunehmen. Ich kann zum Beispiel, von meiner Erziehung und Kultur her, schlecht nein sagen. Nach aussen ist es oft nicht einfach, ein realistisches Bild unserer Arbeit zu vermitteln – sie umfasst ja viel mehr als nur Spielen. Und mit meinem Teilzeitpensum muss ich darauf achten, dass meine Aufgaben in der Ausbildung unserer Lernenden Platz finden.

Was gefällt dir am besten an deiner Arbeit?
Neben den Beziehungen zu den Kindern das Arbeitsklima bei uns im «Tempi», die angenehme Zusammenarbeit. Auch wenn wir ein Anliegen haben, nehmen uns die Verantwortlichen ernst. Man ist immer offen und sucht nach Lösungen.

Und was schätzt du am meisten an der GHG Tempelacker?
Die gegenseitige Wertschätzung für unser Engagement. Diese wird nicht nur darin spürbar, dass die Mitarbeitenden mit ihren Anliegen ernst genommen werden, sondern auch darin, dass es immer ein «Danke» gibt. Oder in kleinen Aufmerksamkeiten zum Beispiel zum Geburtstag oder zu Weihnachten.

Als Trainerin beim LC Brühl arbeitest du auch in deiner Freizeit mit Kindern. Was motiviert dich speziell dazu, dich für Kinder zu engagieren?
Das Training mit den älteren Kindern macht Spass und bringt mir Abwechslung. Dort geht es nicht um die kognitive, sondern um die körperliche Entwicklung. Begonnen habe ich allerdings nicht als Trainerin. Ich habe schon auf den Philippinen Leichtathletik betrieben, und als ich 2014 in die Schweiz kam, wollte ich mich auch über ein Hobby integrieren. Ich habe also beim LC Brühl zu trainieren begonnen.

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen kannst du dabei besonders gut einbringen?
Für mich ist es ganz natürlich, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, auch mit Kindern. Und viele schätzen meine positive Einstellung und Ausstrahlung – das höre ich in der Kita und im LC Brühl oft. Wenn ein Kind meint, etwas nicht zu schaffen, ermuntere ich es. Ich will den Kindern Erfolgserlebnisse ermöglichen. 

Zu guter Letzt: Womit würdest du es einer Kollegin schmackhaft machen, sich für eine Stelle bei euch in der Kita der GHG Tempelacker zu bewerben? 
Unsere Arbeit ist erfüllend. Das ist ganz etwas anderes, als einfach nur für Geld zu arbeiten. Die Beziehungen zu den Kindern, ihr Vertrauen und ihre Entwicklung zu spüren, ist ein schönes Gefühl. Das merke ich auch immer wieder, wenn ich ehemalige Kita-Kinder treffe, die begeistert auf mich zukommen und mir von sich erzählen, auch ganz Persönliches.